Freitag, 20. Oktober 2017

Träume, Ahnungen und Vorgeplänkel




Gunnar bekam von unserem Arzt im Zentrum heute eine Pille (der chemischen Art), um seinen doch tatsächlich recht hohen Blutdruck zu senken. Aber anscheinend, wagte sich der Arzt eine Theorie heran, wäre da zu viel Flüssigkeit in ihm. Obwohl man äußerlich nichts davon sieht. Infolgedessen muss nun offenbar Gunnars Blut weniger, also entwässert werden und er gab ihm noch eine zweite Tablette hinzu. Man hat mir das auch alles erklärt. Aber, sorry, ich bin nicht vom Fach.
Allerdings schien mir das alles recht widersinnig. Gab es vor hunderten von Jahren nicht den guten alten Aderlass? Warum DAMIT das Problem nicht lösen? Wozu dann noch eine (chemisches) Medikament?
Blut zu spenden, hat man Gunnar ebenfalls empfohlen. Aber er weigert sich. Er hätte dies bereits einmal getan und danach ginge es ihm schlecht. Sein Blutdruck wäre mit einem Mal in den Keller gefallen und er wäre beinahe zusammengerutscht. – Sein Wortlaut. - (DAS hätte ich jetzt von meinem starken Wikinger nun in der Tat NICHT erwartet. Und ich hatte es bisher auch nicht gewusst. Über solche Dinge schweigen Männer lieber, um nicht ihre Schwächen zugeben zu müssen.)
Nun gut, dann soll es so sein. Gunnar ist ohnehin der Meinung, dass diese ganze (chemische) Prozedur nicht allzu lange von Nöten  sein wird. „Es geht vorüber. Du wirst sehen.“, sagte er zu mir.
Das hoffe ich.

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Mit Derek hatte ich gestern noch im Flugzeug gesprochen, kurz bevor wir gelandet sind. Er war gut gelaunt und schien sich darüber zu freuen, dass ich alsbald wieder im Lande bin.

Gunnar und ich kamen am gestrigen Abend überaus spät hier im Zentrum an.  Es war weit nach Mitternacht, was uns dazu bewegte, heute Morgen auszuschlafen. Frühstück gegen elf. Lunch, halb drei. Aber egal…..die Zeitverschiebung spielt ebenso keine unerhebliche Rolle bei alledem.
Zeit für einen Besuch im Büro, war noch nicht gewesen. Aber ich traf Kevin im Restaurant. Als ich mich zu ihm hinunter beugte, um ihn ein Küsschen als Hallo auf die Wange zu geben, zog er sich an mir hoch. Stand auf und mir (endlich wieder!)  auf Augenhöre gegenüber. Er umarmte und drückte mich an sich. Küsste mich auf den Mund und ich war überglücklich, ihn in dieser Position zu sehen. Seine Frau, war nicht dabei. Nur sein Pfleger Matthias.
„Wie geht es mit dem Laufen voran?“, fragte ich ihn.
„Am Barren ganz gut.“
Und wie wird es wohl sein mit den anderen Funktionen??? Was ich mich allerdings (an dieser Stelle – im Restaurant) nicht zu fragen wagte. Später vielleicht. (Zwinker.)

Mein Koch überhäuft mich geradezu mit Fragen und Vorschlägen für neue Gerichte. Er scheint mir doch recht wohlgesonnen zu sein. Freut sich jedes Mal sichtlich, wenn ich wieder im Zentrum angekommen bin.

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Gunnar hatte zu Neumond einen Traum, welcher der Realität wohl offenbar sehr nahe kam. Oder womöglich noch kommen wird. Er hat, genau wie ich, eine Vorahnung.
„Wir werden das Zentrum verlieren.“, sagte er heute mit einem Mal zu mir.
Ich blieb ruhig. Denn dieser Gedanke war keine Überraschung für mich. „Auch mir scheint es, als käme da etwas Unangenehmes auf uns zu.“, bestätigte ich Gunnars Vermutung.
„Denke ich daran, spüre ich nach, fühle ich mich total schlecht. Hat das etwa wieder etwas mit diesem Sasha zu tun?“
„Womöglich.“
„Er kämpft nicht fair mit mir um dich. Wenn du ihn nicht willst, wird auch dich mit in den Abgrund reißen.“
Ich widersprach ihm nicht und er wusste, ich stimme ihm schweigend zu. DENN Sasha rief mich einige Male an, als Gunnar heute Vormittag bei unserem Arzt gewesen war. Gerade so, als hätte er gewusst, dass ich alleine bin. Immer wieder fragte er mich danach, ob ich nicht doch wieder zu ihm zurückkehren will. Und er fragte nicht nur, er bat, er bettelte sogar.
„Bitte, komm zu mir zurück.“, ließ er einige Male verlauten.
„Sonst was?“, fragte ich ihn dann und er schwieg. Jedoch wusste ich ganz genau, dass er (Oder wer auch immer) einen Plan verfolgt und es schien gerade so, als wäre es meine letzte Chance, bevor……er den nächsten Schritt des Planes (mich zu sich (endgültig!) zurückzuholen) einleitet. Da schwärte so eine Energie in der Luft, oder schwang mit in seinen Worten, die mich ahnen, oder ganz und gar wissen ließ, dass nun der erste Waffengang kurz bevorstehen wird. Ich meine, das Problem mit den Banken war wohl nur ein kleines Vorgeplänkel. Nun war es möglich, dass er die Offensive startete und wir wissen nicht, wie diese aussehen wird. Jedoch ahnen wir……was geschehen könnte. Sasha selbst äußerste sich mit keinen einzigen Wort dazu.
Nach Claire fragte ich ihn gleichermaßen. Natürlich interessierte es mich und er ließ keinen Zweifel daran, dass sie ausschließlich der Ersatz für mich wäre. So gelegentlich.
„Sie ist nur hier, wenn ICH es will. Und sie weiß, dass sie keine Chance hat mich zu bekommen, solange es für mich auch nur einen einzigen Hauch einer Möglichkeit gibt, dich zu mir zurückzuholen. Denn ich kämpfe um dich. Das weißt du doch. Weil….ich dich liebe, Rea.“

And now, I’ll trink a cup of coffe‘!!!


Donnerstag, 19. Oktober 2017

Verdächtig?



Nun, ich hatte mir von dieser gemeinsamen Reise mit Gunnar zu Adam so rein spirituell etwas mehr erwarte als geschehen. Jedoch lag dieses Mal der Schwerpunkt offenbar auf Gunnars Trauer um Alexa und am Ende auf der Sicherheit um mich, was Gunnar doch recht bravourös gemeisterte. Gerade letzteres brachte uns nur noch näher zueinander.
Wenn ich Gunnar nicht ebenso anders kennen würde, wäre ich geneigt zu sagen, er ist der beste Ehemann ist, welchen sich eine Frau nur wünschen kann. (Was sich allerdings jeder Zeit ändern….könnte.)

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Die ganze Fahrt über auf der Route 6 von Ashern nach Winnipeg folgte uns ein Wagen. Wir hatten es nicht umgehend bemerkt. WER erwartet denn solch‘ Zwielichtigkeiten??? Insgeheim dachte ich sofort an Sasha……(…und Gunnar möglicherweise gleichermaßen).
Wo wir stoppten um uns frisch zu machen, oder etwas essen zu gehen, hielten auch diese Leute. Die Scheiben waren allesamt getönt. Daher war es unmöglich zu sehen, wer diesen Wagen steuerte. Nur zu welchem Zweck, frage ich mich, wurden wir verfolgt? Es lag doch klar auf der Hand, dass wir zurück nach Winnipeg fahren, um wieder nach Schweden zu fliegen. Ich vermag dergleichen Personen nicht im geringsten zu verstehen…….Selbst wenn man annahm, wir flögen nach South Dakota, New Orleans oder Hawaii, hätte man dies am Flughafen sicherlich bequem-er erfahren, hat (hätte) man die Berechtigung dazu. Oder genügend finanzielle Mittel.
Im Hotel, oder dann am Flughafen, fiel mir speziell nichts Verdächtiges auf. Gunnar sagte allerdings, er hätte an der Sicherheitskontrolle im Flughafen einige zusätzliche Beamte gesehen, die dort nicht hätten sein dürfen.
Eigenartig das Ganze. Einschüchterung, oder was? Oder will man womöglich nur Präsenz demonstrieren?

Gunnar war ohnehin in einer ganz merkwürdigen Stimmung. Bereits als wir den Wagen abgegeben und im Hotel angekommen waren.
Zuvorderst jedoch, hatten wir über eine Umbuchung gesprochen, alldieweil ich den Kontinent noch nicht zu verlassen gedachte. Blieben aber dann doch bei unserem Vorhaben nach Schweden zu fliegen.

Aus meinen Hünen von einem Wikinger, wird doch nicht etwa ein ängstlicher Mann? Oder sind das die Nebenwirkungen welches Zaubers auch immer? Zudem geht es Gunnar erneut nicht mehr so gut. Er hat irrwitziger Weise Probleme mit seinem Blutdruck. Obwohl er kerngesund erscheint. 


Persönliches
Nun, ich stellte Bereits des Öfteren fest, dass ich das Schreiben an sich nicht wirklich zu lassen vermag.
Aber möglicherwiese ist zuweilen weniger mehr.
Wir werden sehen…..smile.


Dienstag, 17. Oktober 2017

Abschiedsschmerz




Bereits heute hatte ich Abschiedsschmerz von meinem alten Freund Adam. 
Ich umarmte ihn. Drückte ihn fest an mich.
Zu Gunnar sagte ich: „Nicht böse sein.“
„Ja. Er ist dein Seelenpartner. Ich weiß.....und hätte ICH nicht zu dir gefunden…..“ Gunnar schnaufte und lächelte dann…..zufrieden.
„Am aller liebsten würde ich noch länger bleiben.“, sprach ich aus, was mir auf der Seele lag. „Aber es ist bedauerlicher Weise nötig nach Hause zu fliegen.“
Wir fahren Morgen…….nach Winnipeg und fliegen am Donnerstag zurück nach Schweden. Die Ursache wurde bereits in einem vergangenen Eintrag von mir angemerkt.

Es kommt mir gerade so vor, als hätte ich Adam neu gefunden…….
Mag sein, dass noch immer etwas von DEM jungen Mann, welchen ich einst kennenlernte, in ihm zu finden ist. Aber auch ER ist gereift. Und dies auf eine angenehme Art und ich sehe ihn mit gänzlich anderen Augen, als noch vor einem Jahr. Adam scheint mir einer der Art von Männern zu sein, die im Alter noch attraktiver werden, als sie es in ihrer Jugend bereits waren.

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Derek rief an
Auch Gunnar hat mit ihm gesprochen und es war angenehm, seine Stimme zu hören.

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Es ist schon einmal hier vorgekommen, dass wir von fremden Männern beobachtet wurden. Vor Tagen hatten wir es bereits bemerkt und sogleich Sasha dafür verantwortlich gemacht. Ob er tatsächlich der Urheber ist, vermag ich nicht zu sagen.
Da mir Gunnar nicht mehr von der Seite weicht, hatte ich ihn gebeten, für einen Augenblick das Zimmer zu verlassen, damit ich mit Sasha reden kann. Ich bin kein Mensch, der um den heißen Brei herum schleicht, sondern direkt, wenn mir etwas unter den Nägeln brennt. Selbstredend verneinte Sasha etwas darüber zu wissen. Und immer wieder die Zweifellosigkeit, dass ER mich an Ende doch noch bekommt. 


Persönliches

Im Augenblick scheint mir die Lust am Schreiben ein wenig abhandengekommen zu sein.
Es erscheint mir mühevoll, etwas auszudrücken, was mich im Inneren bewegt.
Morgen oder in einigen Tagen, mag dies bereits wieder gänzlich anders aussehen.  
In jedem Fall hat sich dieser Tag mein Bedürfnis zu schreiben offenbar erschöpft. (Aus diesem Grund führe ich heute nicht alles bis ins Detail aus.)
Wir werden sehen……………….


Sonntag, 15. Oktober 2017

Der Sieg der Vernunft



Es soll die kommende Woche noch einmal wärmer und sonnig werden. Womöglich bleiben wir doch noch eine Weile länger hier als geplant. Vergangene Nacht waren es gerade einmal Null, oder sogar geringe Minusgrade gewesen, dachte ich gestern noch so, bevor etwas Einschneidendes und völlig Überraschendes geschah.
Nach unserem gemeinsamen Frühstück war Gunnar gerade mit Adam, seinem Onkel Leo, Michael, Ryan und Robert aufgebrochen, um Angeln zu gehen und als hätte er genau das Weggehen der Männer abgewartet, stand mit einem Mal Sasha in der Tür. So überraschend, dass ich das Handtuch fallen ließ, welches ich gerade noch in der Hand gehalten hatte. Ich stand da wie angewurzelt und starrte. Der Atem war mir kurzzeitig gestockt. Dann pustete ich, versuchte zu lächeln und sah ihn mit großen, weit geöffneten Augen an.
„Was tust DU denn hier?“, fragte ich ihn.
Sasha lächelte mich an. „Du willst nicht mit mir reden? Da dachte ich, ich komme einfach zu dir.“
„Woher wusstest du…..?“, begann ich die Frage zu formulieren und mit Sashas Mimik beantwortete sich die Frage selbst. Er hatte natürlich seine „Quellen“. Für IHN scheint förmlich alles möglich zu sein.
Sasha kam auf mich zu. Umarmte und küsste mich. Ich war nicht in der Lage mich dagegen zu wehren. Denn da waren noch immer Gefühle für ihn, die in mir emporschossen wie in ein Vulkan, als er mich berührte.
Agnes, Adams Tante, hatte offenbar bemerkt, dass jemand gekommen war. Stand nun in der Tür und räusperte sich.
Sasha ließ mich los. Er drehte sich um und wir beiden sahen zu ihr hin.
Ich ergriff sogleich die Initiative. „Du kennst Sasha sicherlich noch?“, fragte ich mit Unschuld in der Stimme, als wäre nichts weiter geschehen.
Sie nickte. „Ja.“ Und womöglich war es sogar vorteilhaft, dass sie letztendlich im Zimmer blieb und sich mit irgendetwas beschäftigte. Sonst hätte mich Sasha förmlich überrollt, so euphorisch wie er war. Seine Liebe zu mir scheint nicht abgekühlt zu sein. Ganz im Gegenteil. Sie hat sich offensichtlich noch potenziert.
Wir redeten miteinander und immer wieder versicherte er mir, dass er weiter um mich kämpfen wird und ich am Ende ihm gehören würde.
„Komm‘ lass‘ uns nach draußen gehen.“, sagte er und versuchte meine Hand zu greifen.
Ich tat einen Schritt zurück. War misstrauisch gewesen. „Wer sagt mir, dass du mich nicht einfach in dein Auto zerrst?“
Er lachte. „Ja. In der Tat. Eine gute Idee. Das könnte ich tun und vielleicht würde ich es auch. Aber, kommst du freiwillig mit mir nach draußen, dann lasse ich dich auch wieder gehen.“
WAS war DAS denn für eine Antwort??? Wie hatte ich DAS zu verstehen.
Dann wurde er milder. Bettelte sogar. „Komm doch mit. Wir gehen raus zu meinem Wagen. Dort können wir ungestörter reden.“  Und wieder kam er näher zu mir hin und hauchte mir ins Ohr. „Ich würde so gerne mit dir schlafen.“ Seine Hand fuhr über meinen Po.
Pfffffhhhhhhh……..Das rief zwiespältige Gefühle in mir wach. Zum einen hätte ich schon gern……gewollt. Zum anderen dachte ich an die Schmerzen UND vor allen an Gunnar (!). Gerade JETZT wo keine Andere zwischen uns stand, wo wir neu begonnen hatten, sollte ausgerechnet ICH ihm untreu werden??? NEIN! Niemals!!!
„Du hättest doch sicher Lust darauf. Oder sehe ich das falsch in deinen Augen?“ Sasha sah mich an und schmunzelte.
Und dann ist mir Claire eingefallen. „Du hast mit Claire geschlafen.“, warf ich ihm vor, was natürlich in keinster Weise ernst zu nehmen war.
Er lachte. „Und du mit deinem Mann.“
„Aber ICH bin verheiratet mit ihm!“, verteidigte ich mich und dann begann eine kurze Diskussion um diese Frau, in welcher er mir erklärte, was sie für ihn noch bedeutet.
In jedem Fall beabsichtigt Sasha um mich zu kämpfen bis zum Ende. Und er ist sich sicher, dass er mich am letzten Endes doch bekommt.
Claire wäre, im Augenblick, ähnlich wie Hanna Martensson, eher eine Bettmatratze, auf der er schlafen kann, wenn es ihm beliebt. Oder wenn meinetwegen frustriert sei. Dann doch lieber mit ihr als allein, hatte er angemerkt.
„Mag sein, dass sie mir früher einmal etwas bedeutet hat, zugegeben, sie war und ist immer noch eine schöne Frau, aber seit ich dich gesehen und dann kennengelernt habe, war sie für mich uninteressant.“
„Du solltest sie heiraten. Sie passt gut zu dir und träumt von einem Leben mit dir zusammen.“
Sasha antwortete nicht darauf. Stattdessen startete er einen neuen Versuch, mich aus dem Haus zu locken, auf welchen ich selbstverständlich NICHT eingegangen bin.
Nach ewigem hin und her, Streicheln, Berührungen und weiteren Küssen, denen ich mich willig hingegeben hatte, gab er schließlich auf. Denn ich ließ keinen Zweifel daran, dass ich Gunnar über alles liebe und es mitnichten meine Absicht sei, ihn zu betrügen.
Dann stellte er mir eine letzte Frage. „Gäbe es Gunnar nicht, kämst du dann mit mir?“
Ich überlegte kurz und nickte dann. Weil es der Wahrheit entsprach, und das nicht NUR in diesem Augenblick.
Als Sasha gegangen war, dachte ich darüber nach, wie es möglich war, dass ich noch immer etwas für ihn empfand. Als er mich berührte und küsste, war ich kurz davor nachzugeben und mit ihm raus zu seinem Wagen zu gehen.
Die Vernunft hat gesiegt.

Als Gunnar am Abend kam und ich ihm erzählte, was geschehen war, war er außer sich vor Sorge. Er umarmte mich und hielt mich fest. „Ich bleibe bei dir. Gehe nicht wieder fort. Lass dich keine Minute mehr aus den Augen.“, sprach es und drückt mich noch fester an seinen Körper, was mich ein erleichterndes „ahhhh“ ausatmen ließ.
„Der Mann ist nicht fähig einzusehen, wenn er verloren hat. Der geht aufs Ganze und kann es offensichtlich auch. Mit all seinem Geld und den Verbindungen seiner Familie.“ Gunnar hatte mich losgelassen und ging nun aufgeregt vor mir hin und her. Hatte einer Denkerpose angenommen, mit dem ausgestreckten Zeigefinger kratzte er sich den Kopf. „Er wird tatsächlich nicht aufgeben. Hat keinerlei Achtung vor einem fairen Kampf, wie man ihn pflegt unter Männer auszutragen, geht es um eine Frau. Ich meine, da gab es Troels, Ian und Derek. Sie haben alle fair gekämpft und ich wusste, dass mir keiner gefährlich werden kann. Aber dieser Kerl, ist der Ausbund an Hinterhältigkeit.“
„Er hätte mich genauso gut schon heute in sein Auto zerren können.“; merkte ich an und verteidigte Sasha sogar noch unwissentlich damit.
„Er spielt. Liebt es seine Macht zu demonstrieren. Wie eine Katze, die genau weiß, dass sie der Maus in jedem Augenblick den Todesbiss zufügen kann.“
„Ist es nicht genau DAS, was Männer mögen? Die Jagd.“
Gunnar lächelte betreten. „Ja. Aber ICH würde niemals unfair kämpfen.“
„Was hat er bisher so Unfaires getan?“ Diese Frage hätte ich nicht stellen dürfen.
„Dich unter Drogen gesetzt und entführt. Dich verhexen lassen. Dich beeinflusst und gegen mich aufgewiegelt. Mit dir gelebt, als hätte er dich bereits in seinem Besitz. Der Mann ist gefährlich. Wir müssen vorsichtig sein.“ Zum Glück war Gunnar so aufgeregt, dass er es offenbar nicht einmal bemerkte, dass ich kurzzeitig sogar Position für Sasha bezog. Oder zumindest um Verständnis für ihn heischte.
„Du hast Recht.“, sagte ich schließlich zu Gunnar und meinte es genauso. Ich krallte mich an ihm fest. Hatte meinen Kopf an seine Brust gelehnt.  
„Hat er dich berührt? Geküsst?“, fragte Gunnar mit einem Mal und ich vermag nun einmal nicht zu lügen.
„Ja und ich ließ es zu. Gedachte nicht, ihn zu verärgern. Es war niemand weiter dagewesen außer Agnes. WER hätte mir helfen sollen, hätte er mich schlussendlich doch noch in seinen Wagen gezerrt?“, rechtfertigte ich mich. „Es war einfach nur eine Strategie, um ihn nicht zu provozieren und ihn guter Stimmung zu halten. Und ich hatte Glück. Letztendlich ist er doch gegangen. Ich hatte es ihm deutlichst gesagt, dass ich nicht mit ihm gehen will. Nicht einmal zu seinem Wagen und auch zukünftig nicht. Ich hatte ihm unmissverständliche Worte gegeben, das ich dich liebe, Gunnar, und niemals mehr verlassen werde.“ Das alles, was ich Gunnar nun zu meiner Verteidigung gegenüber brachte, entsprach der absoluten Wahrheit. Ich log keineswegs. Das könnte ich nicht! Und er wusste das.


Wir diskutierten noch lange über das Geschehen. Insbesondere Gunnar machte sich Sorgen und meinte, es wäre wohl besser bei mir zu bleiben, anstatt mit den anderen am nächsten Tag erneut in den Wald zu gehen.
„Wollen wir noch bleiben? Oder fliegen wir nun doch woandershin?“, fragte ich meinen Mann.
Der wiegte seinen Kopf hin und her. Zog die Brauen hoch. „Er weiß, dass wir hier sind und kann jeden Moment erneut hier erscheinen. Was bedeutet, dass ich dich besser keinen Augenblick mehr aus den Augen verlieren darf.“
Letztendlich entschlossen wir uns, doch noch einige Tage zu bleiben.
„Und was ist unser nächstes Ziel?“, fragte ich Gunnar schlussendlich.
„South Dakota.“, antwortete er mir mit einem traurig, versonnenen Blick.
„Und du meinst, das ist klug?“, fragte ich ihn.
„Magst du nicht bei Mary und Rodney sein?“
„Doch schon. Ich dachte nur an dich dabei. Brächte es nicht schmerzliche Erinnerungen zurück?“
„Dann nach New Orleans vielleicht?“
New Orleans ist für mich nicht mehr DAS, was es einst gewesen war. Durch Gunnars Kinder dort, verlor dieser Ort für mich seinen Reiz.
Gunnar sah mir mein Unbehagen an und stutzte. „Nach Kalifornien willst du sicher nicht.“
„Nein.“, entgegnete ich rasch.
„Was dann? Hawaii?“
„DAS wäre mir recht.“
„Oder fliegen wir besser wieder nach Hause, jetzt wo dieser Jude offenbar zu einem Schlag gegen uns ausholen wird.“
Ich dachte kurz nach. „Ja. Vielleicht hast du sogar Recht. Wir bleiben noch ein paar Tage hier bei Adam und dann geht es zurück nach Schweden.“
„Kevin wird erleichtert sein.“, versuchte Gunnar noch zu witzeln und mich aufzuheitern. Jedoch bemerkte ich, wie angespannt er war. Aber dann wurde er ernster. „Da hast du dir eine Laus in den Pelz gesetzt.“
„Ja. In der Tat. Ich hätte ihn damals nicht erst einstellen sollen.“, war mein abschließender Kommentar dazu.


Heute Morgen hielt es Gunnar nicht mehr…..aus. Er rief Sasha von meinem iPhone aus an und am Ende war er noch niedergeschlagen als zuvor. So hatte ich ihn noch nie gesehen. Er sorgte sich um uns und hat aller Wahrscheinlichkeit nach jeglichen Grund, dies zu tun.